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Archive for Juni 2012

In Kassel findet derzeit die 13. documenta statt, eine Ausstellungreihe zeitgenössischer Kunst. Noch bis Anfang September werden die von 114 Künstlern gezeigten Exponate viele tausend Besucher aus der ganzen Welt anlocken, die dOCUMENTA (13) verwandelt die nordhessische Großstadt  für 100 Tage zum glühenden Mittelpunkt der globalen Kunstszene.

Aus gegebenem Anlass machte auch ich mich gestern samt Familie auf nach Kassel, um einen ersten Eindruck der diesjährigen Documenta zu bekommen. Auf die einzelnen Künstler, ihre Werke und Intentionen ist an anderer Stelle schon gebührend eingegangen worden, außerdem kann ich gar nicht von mir behaupten, ich hätte genügend Ahnung, um darüber zu berichten. Stattdessen möchte ich mich einem anderen Punkt, einer äußerst wichtigen Frage widmen – der Frage, nach der Bedeutung, dem Wert der Kunst, allgemein und besonders in der heutigen Form und Zeit. Ausschlaggebend dafür war die Begeisterungslosigkeit meiner Familie beim Rundgang, das müde Lächeln über die sogenannte „Kunst“ und schließlich die Aussage, man könnte in einer Zeit voller Krisen die Millionen Gelder, die in die documenta fließen, sicher besser investieren. Und ich muss zugeben, anfangs konnte ich dem kaum etwas entgegensetzen – außer dem üblichen Gestammel, Kunst sei sehr wichtig. Warum eigentlich?

 

Was ist Kunst?

Komischerweise stellt sich die Frage nach der eigentlichen Bedeutung der Kunst fast immer bei der Betrachtung Moderner oder Zeitgenössischer Kunst. Niemand würde sich vor einen Rembrandt stellen und ernsthaft behaupten, das sei keine Kunst, und auch bei Albrecht Dürer verneigt man sich ehrfürchtig vor seinem großen Können, anstatt entnervt zu behaupten, man könne dies selbst malen, oder dem Gemälde ganz und gar das Existenzrecht abzusprechen.

Für viele Menschen definiert sich Kunst also über den Schwierigkeitsgrad – ein Gemälde aus der Epoche des Realismus beispielsweise erfordert größtes künstlerisches Können, Konzentration und erhebliche Ausdauer, kaum jemand kann so malen – es muss wahre Kunst sein! Einen schwarzen Punkt auf weißen Untergrund zu setzen hingegen, nun ja, das kann doch jedes Kind! Ergo ist es keine Kunst…

Fakt ist, dass sich Kunst keineswegs nur über Schwierigkeit und Dauer ihrer Herstellung definieren lässt – und das auch niemals sollte!
Laut Wörterbuch bezeichnet Kunst zuallererst ein von Menschenhand geschaffenes Produkt, das Resultat eines kreativen  Prozesses.
Was ist nun gute Kunst und was reiner Kitsch? Wer bestimmt den Wert von Kunst? Und wie rechtfertigt man die Investition von Millionenbeträgen, wenn Menschen auf der ganzen Welt hungern und man doch genauso ‚Gutes tun‘ könnte?

 

Die Bedeutung der Kunst

Auf die unterschiedlichen Formen der Kunst möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen, es würde den Rahmen sprengen. Laut Wikipedia handelt die Kunst vorwiegend von der Gewichtung der Kreativität und der Effizienz, wobei das Ergebnis im Mittelpunkt steht und auf vergleichsweise bescheidene Art erreicht wird. Das erklärt allerdings eher Begriffe wie die ‚Heilkunst‘ oder auch die der ‚freien Rede‘.

Ebenso vielfältig gestaltet sich die Funktion der (Bildenden) Kunst und reicht von augenscheinlich auf der Hand liegenden Punkten, wie der Unterhaltung oder ihrer therapeutischen Funktion (z.B. Maltherapie), bis hin zur positiven Auswirkung auf Motivation und Stimmung. In der Gesellschaft soll Kunst als bekräftigendes Mittel  den Zusammenhalt stärken und eine Identifikationsgrundlage schaffen. Dementsprechend findet man Kunst auch im religiösen Zusammenhang. Auch zur „intellektuellen Schulung“ wird Kunst gern genutzt, durch intensive Auseinandersetzung wird die Tätigkeit des Gehirns angeregt. Zudem gelten Kunstwerke als Spiegelbild ihrer Zeit, geben beispielsweise Aufschluss über Sitten und Gebräuche und übermitteln bestimmte Ansichten oder Aussagen sowohl des jeweiligen Künstlers, als auch der Gesellschaft.

In der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts verdrängte ein völlig neuer Ansatz die bis dato hauptsächliche Funktion der Kunst – an die Stelle der Ästhetik, des reinen, sinnlichen Genusses eines Kunstwerks trat der intellektuelle Prozess des Nachdenkens. Dies führte zu einer nicht-enden-wollenden und noch immer lustig sprudelnden Flut von Kunst – hässliche und abstoßende Gebilde, offenbar wahllos zusammengewürfelte Alltagsgegenstände, Innovationen.

An dieser Stelle tauchte ein gespenstischer Satz auf – ‚Was will uns der Künstler damit sagen?‘ – ein vollkommen idiotischer Ansatz für Kunst. Selbstverständlich beinhaltet Kunst eine  Symbolik, die es zu deuten und interpretieren gilt, was schließlich in einer in Worte gefassten Kritik, Belehrung, schlichten Aussage mündet. Leider entstellte sich der Begriff der ‚Aussage‘ eines Kunstwerks mit der Zeit selbst, sodass wir uns heute dem Phänomen gegenüber sehen, dass Kunst ohne klar erkennbare, tiefgründige und möglichst kritische Aussage gänzlich verachtet wird. Dabei ignoriert man die älteste Funktion, die wichtigste Bedeutung der Kunst – die reine, persönliche Erfahrung des Individuums. Man kann kein wirkliches Kunstwerk in Worte fassen und erklären und es niemals völlig interpretieren, da sich doch immer wieder eine neue Perspektive eröffnet, von Mensch zu Mensch ebenso wie aus Stimmungen und momentanen Gefühlen heraus.

 

Bis zur Kunst und darüber hinaus

Zwei Lager stehen sich gegenüber – die Verfechter des klassischen, rein ästhetischen Begriffs und diejenigen, die Kunst vor allem über Aussage und Innovation definieren. Wer bestimmt nun den Wert von Kunst?
Gerade in der heutigen Zeit wird allzu oft außer Acht gelassen, dass auch Ästhetik etwas ausdrücken kann und leider wird allzu oft missachtet und falsch verstanden, dass nicht unbedingt immer alles eine tiefere Bedeutung hat (und das auch nicht haben muss). Gibt es auch nur eine einzige Person auf dieser Welt, die ein Kunstwerk für schön und ästhetisch hält, so darf dieses Kunstwerk als völlig berechtigt gelten und damit absolut bedeutsam. Kunst lohnt sich in dem Moment, in dem sie für nur einen Menschen für nur eine einzige Minute ein bisschen Glückseligkeit geschaffen hat.
Andererseits nahm die Kunst als Kritiker und Reflektor der Gesellschaft seit jeher eine bedeutsame Rolle ein und sollte dies weiterhin beibehalten.

Dass Alltagsgegenstände plötzlich zu Kunst mutieren – präsentiert auf Podium in einer Halle, oder  gigantische Bauklötze in einem Park als Leuchtfeuer zeitgenössischer Kunst gefeiert werden, liegt zuerst an dieser außergewöhnlichen Präsentation. Das Rad eines Fahrrads, eines von Marcel Duchamps bekanntesten Ready-mades, wird in dem Moment zum Kunstwerk, wenn seiner ursprünglichen Form und Funktion entrissen und neu hergerichtet und präsentiert wird. Über die Aussage des Fahrrad-Rades möge nun jeder selbst entscheiden…

Schlussendlich jedoch bestimmt den Wert der Kunst der Betrachter, der Verbraucher selbst – die Kunstwelt unterscheidet sich hier nicht von anderen Branchen. Die Werke eines Künstlers müssen entdeckt werden von Personen, die in der Kunstwelt ‚etwas zu sagen haben‘ und daraufhin unterstützen, dieser Künstler wird gefördert, seine Werke und Ausstellungen gebührend präsentiert und vermarktet. Wie viel jedes Werk Wert ist, bestimmt, schlicht und vereinfacht gesagt, Angebot und Nachfrage …

 

dOCUMENTA (13)

„… die documenta hat die Kunstwelt immer wieder erschüttert, ob in armen, nach Kunst dürstenden Nachkriegszeiten, in aufrührerischen Revolte-Jahren, in der unbeschwerten Epoche des ausgehenden 20. Jahrhunderts oder dem von der Globalisierung geprägten Jahrhundertwechsel. Die documenta-Geschichte ist eine Geschichte der Niederlagen, des Zweifels, der Skandale und gleichzeitig der Erneuerung, der Erkenntnis, der künstlerischen Produktivkraft. Immer aber war sie eine Erfolgsgeschichte …“

– Michael Glasmeier; Karin Stengel

Was soll ich dem noch hinzufügen? Die documenta ist großartig, weil sie Künstler und Kunstinteressierte zusammenbringt und weil dank ihr die Welt noch näher zusammenrückt, weil die documenta Dialog ist, zwischen Kulturen, Generationen, zwischen Kunstinteressierten und Kunstmuffeln gleichermaßen, weil man ihr in Kassel einfach nicht ausweichen oder entkommen kann. Und abgesehen davon, wieviel mehr oder weniger des investierten Geldes auf der documenta (oder jeder anderen Ausstellung) durch Besucher und Käufer wieder ‚reinkommt‘ und wie sinnvoll die Investitionen sind, die man mit diesem Geld dann macht, halte ich Veranstaltungen wie die documenta für absolut berechtigt. Und obwohl sicher einiges auf dem Kunstmarkt nicht optimal verläuft (was es allgemein äußerst selten tut), so ist der Markt doch für alle beteiligten Seiten von immenser Bedeutung. Wer sich der Kunst zu entziehen versucht, hat, salopp gesagt, schlechte Karten. Dann doch lieber durch das documenta-lastige Kassel schlendern, über die frei zugänglichen Exponate grübeln und falls es nicht gefällt, bleibt immerhin noch ein Spaziergang, neue Erfahrungen und das Bewusstsein, die ‚Tätigkeit des Gehirns angeregt‘ zu haben.

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Früher – damals, als ich noch zur Schule ging – war das Studium und vor allem die Bewerbung für mich immer eine riesige weiße Fläche. Ohne Witz, die meisten Abiturienten haben keinen Plan von nichts, aber ich wusste wirklich noch weniger! So stellte mich meine eigene Bewerbung vor beinahe unüberbrückbare Schwierigkeiten!! Okay, ich gebe zu – das war etwas übertrieben – nervig war es trotzdem und ich bin unendlich froh, dass das fürs erste gelaufen ist …

Seit ich mit 14 Jahren das erste Mal meinen Urlaub in Frankreich verbrachte, hat sich in meinem Kopf die verrückte Idee eingenistet, ich müsste unbedingt einmal in Frankreich leben.  Das tolle Wetter, diese wunderbare, klangvolle Sprache, traumhafte Landschaften und natürlich der Mythos vom ‚Savoir vivre‘ – das alles übte auf mich eine wahnwitzige Magie aus!

‚Was böte sich besser als Möglichkeit zum Kennenlernen an –   als ein Studium in Frankreich?‘, dachte ich mir also nach meiner Rückkehr aus England – denn nein, ein einfaches Auslandssemester reichte selbstverständlich nicht! Und so begann sie, die Odyssee der Studienbewerbung…

 

Studienwahl

Holzwirtschaft, Kosmetikologie (ja, das gibt es wirklich!), Abfallkunde – die Möglichkeiten bei der Studienwahl sind offensichtlich riesengroß. Und auch von diesen nicht ganz ernst gemeinten Vorschlägen mal abgesehen, stellte mich die Auswahl vor einige Schwierigkeiten. Immerhin gibt es sooooo viele interessante Fächer und auch wenn ich weiß, dass die Jobaussichten nach einem Studium der Archäologie oder Philosophie eher gering aussehen – cool wäre es irgendwie…

Nach einigen Überlegungen entschied ich mich für Politikwissenschaft und Literatur. Und jetzt begann die eigentliche Herausforderung – was heißt das bitte auf französisch? Kann man dort, so wie in Deutschland, zwei Fächer gleichzeitig studieren? Und wie zum Teufel soll ich mich bewerben, wenn ich doch kaum französisch kann? An diesem Punkt kommt die Admission Postbac ins Spiel…

 

Die Admission Postbac

In Frankreich läuft die Bewerbung für ein Studium nicht, wie für die meisten Studiengänge in Deutschland, direkt über die Unis, sondern über die sogenannte Admission Postbac. Auf dieser Website werden die Studienplätze in fünf Etappen verteilt. Diese Etappen beinhalten die Anmeldung der Kandidaten, u.a. mit Erstellen eines Lebenslaufs und Angabe der Abiturkurse und Zeugnisnoten, die Auswahl ihrer Studienfächer und Universitäten, Bestätigung dieser Angaben, schließlich die Sichtung der Bewerbungen durch die Unis und zuallerletzt die Studienplatzvergabe, die in drei Phasen verläuft.

Was auf den ersten Blick die Sache erheblich vereinfacht, entpuppt sich (besonders für diejenigen unter uns, die nicht perfekt französisch sprechen) als ziemliches Dilemma.
Zugegeben, das anfängliche Ausfüllen der Fragebögen erinnert noch stark an das in Deutschland übliche Verfahren. Und auch wenn es nervig ist, die Noten der letzten 3 Schuljahre plus Umrechnung in französisches Notensystem und Beschreibung des thüringischen Kurssystems einzutippen, anstatt einfach und bequem alle Zeugnisse hochzuladen, es gibt sicher Schlimmeres und auch das geht vorbei. Nein, wirklich nervig wird es, wenn es zur Auswahl der Fächer kommt. Die Website wird an dieser Stelle – meiner Meinung nach – sehr unübersichtlich und es ist höchste Vorsicht bei der Auswahl gefragt…

Hat man alles ausgefüllt, ausgewählt und bestätigt, beginnt eine monatelange Wartezeit, in der man alle Stadien zwischen „Juhu, Bewerbung endlich geschafft!!“ und „Oh nein, ich hab garantiert was falsch gemacht! HIILFEEE!!“ durchläuft. Zum Letzten – nein, man hat im Normalfall nichts falsch gemacht und die lange Wartezeit ist gewollt. Die drei Phasen der Studienplatzvergabe beginnen erst Mitte Juni und dauern bis Juli. Achtung, hier wird es kompliziert:

Bei der Auswahl der Fächer und der Unis musste man diese in einer bestimmten Reihenfolge nach persönlichen Wünschen ordnen, sprich: Wunsch Nummer 1 entspricht der absoluten Traum-Uni, der ganz untenstehende Wunsch hingegen ist das Fach bzw. die Uni, das/die man am wenigsten ertragen möchte. In den Phasen der Zulassung schicken die Unis über die Website Admission Postbac Zu- und Absagen an die Bewerber, wobei in jeder Phase nur der jeweils höchste Wunsch angenommen werden kann. Entschließt sich also beispielsweise die Uni in Toulouse, die mein dritter Wunsch war, bereits in der ersten Phase dafür, mich aufzunehmen, verfallen meine Wünsche 4,5,6,… automatisch. Angenommen meine Wunsch-Unis Nummer 1 und 2 haben sich in dieser ersten Phase noch nicht entschieden, kann ich die Université de Toulouse a) definitiv annehmen (und auf 1 und 2 dementsprechend verzichten) oder b) annehmen mit der Aussicht, in darauffolgenden Phasen eventuell noch Wunsch 1 oder 2 anzunehmen (insofern diese mich annehmen) oder c) ich verzichte auf alle meine Wünsche (da ich mich beispielsweise komplett gegen ein Studium in Frankreich entschieden habe). Aus dieser Thematik folgt, dass man sich nicht, wie zum Beispiel in Deutschland, erst alle Zu- und Absagen holen und später entscheiden kann, wo man studieren möchte, sondern von Anfang an klare Prioritäten setzen muss. Wer sich also in Frankreich zum Studium bewerben möchte, sollte sich von Anfang an klar informieren und Gedanken machen über Studienfächer und Wunschstädte, damit es kein böses Erwachen gibt…

 

Erstens es kommt anders, zweitens als man denkt…

Ja, ich hasse diesen Spruch auch, aber in diesem Fall stimmt er irgendwie – ich hatte mich nämlich nicht ausreichend informiert, nicht ganz die Fächer gewählt, die ich ursprünglich wollte, Info-Flyer (wie es so meine nervige Angewohnheit ist) bloß kurz überflogen, mich schon auf eine Reise zu allen Unis auf meiner Liste gefreut, als ich am ersten Tag der ersten Phase mein Konto auf Postbac öffnete und feststellte, Wunsch Nummer 1 hatte abgelehnt, Nummer 2 angenommen – nun gab es zwei Möglichkeiten, annehmen oder nicht in Frankreich studieren. Da ich – wie anfangs beschrieben – unbedingt in Frankreich studieren will, habe ich also angenommen und werde nun die Université de Nantes besuchen. Zugegeben, ich dachte Nantes läge näher an Paris…

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Lange keine Neuigkeiten mehr, deswegen heute ein Update (und die Hoffnung, dass es endlich, endlich, endlich mal wieder regelmäßige Posts gibt!)….

Obwohl hier die letzten Monate Stille herrschte, saß ich nicht nur untätig rum, sondern habe mein Studium vorbereitet und – es steht! Anfang Juli geht’s nach Frankreich zum Wohnung-gucken, ein paar Wochen später folgt der Umzug, im August quäle ich mich durch internationale Schnupperkurse und ab September studiere ich offiziel Jura und angewandte Sprachwissenschaft an der Université de Nantes!

Weitere Infos über die Bewerbung an französischen Hochschulen, die Wohnungssuche, Krankenversicherung, was man wissen und beachten sollte und was ich der Welt gern mitteilen möchte……. folgen demnächst! 🙂

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